Insel der Götter und Dämonen

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Bali, die Insel der Götter und Dämonen liegt im indischen Ozean und gehört zu Indonesien, dem Land mit der weltweit grössten muslimischen Bevölkerung. Nur knapp 2 % sind Hindus aber diese befinden sich fast ausschliesslich alle auf Bali. Die 5’561 Km² grosse Insel ist zu über 90% hinduistischen Glaubens, was man bei einem Besuch auf Bali überall entdecken kann. Die Balinesen sehen Bali selbst als Mikrokosmos. Im Himmel leben die Götter und im Meer die Dämonen. Bali selbst wird als Zwischenschicht, Verbindungsglied angesehen. Es besteht alles aus den zwei Seiten Gut und Böse. Kein Aufenthalt hier vergeht, ohne dass man nicht irgendwo die dreimal täglichen Opfergaben beobachten, eine Zeremonie oder ein Tempelfest verfolgen kann. Doch wir haben den König aller Feiertage miterlebt – Nyepi!

Am 21. März war Nyepi, der balinesische “Tag der Stille”, und nach dem traditionell Balinesischen Mondphasen-Kalender Neujahr. Wir schreiben nun das Jahr 1937. Das balinesische Jahr beginnt am Tag nach Neumond während der Tag-und-Nacht-Gleiche im Frühling. Nyepi ist der höchste hinduistische Feiertag in Bali. An diesem Tag kommt das Leben auf der Insel zum Stillstand. An Nyepi ist absolute Stille angesagt. Das heisst der Flughafen ist geschlossen (!), niemand arbeitet oder darf sein Haus verlassen, Licht und Feuer sind verboten. Einzig das Krankenhaus ist geöffnet. Auf den Strasse patrouillieren sogenannte “Pacalang”, Religionspolizisten in schwarz-weissen Sarongs, welche die Einhaltung der Ausgehsperre kontrollieren. Diese Regeln gelten auch für Touristen und so befinden wir uns innerhalb der Boutique-Villa und helfen Khussen und Papa Bin, den einzigen muslimischen Mitarbeitern, die Fenster mit Zeitungen abzukleben und die restlichen Gäste zu betreuen. Aber wieso darf an Neujahr niemand die Gebäude verlassen. Nun die Geschichte/ Zeremonie beginnt drei Tage vor dem eigentlichen Neujahr…

Melasti

Tieferer Sinn der Nyepi Zeremonie ist der Neuanfang in möglichst grosser Reinheit.  Daher werden zwei Tag vorher heilige Objekte aus den Tempeln zur nächstgelegenen Wasserstelle gebracht und durch die Kraft des Wassergottes Baruna gereinigt. Da wir uns am Meer befinden, konnten wir dieses Spektakel im goldenen Licht der untergehenden Sonne verfolgen. Bedeutung dieser Zeremonie ist die Reinigung der Natur.

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Tawur Kesanga

Am Tag vor Nyepi fand die Exorzismus-Zeremonie statt. An der Hauptstrasse der jeweiligen Dörfer – wo sich nach balinesischer Vorstellung  die Dämonen treffen – werden Umzüge veranstaltet. Dabei werden Ogoh-Ogoh-Puppen, welche die bösen Dämonen symbolisieren,  mitgeführt. In wochenlanger Arbeit werden diese mehrere Meter hohen Puppen sorgfältig hergestellt und mit Lichtern dekoriert. Die Kosten für einen einzigen Ogoh-Ogoh belaufen sich auf bis zu über CHF 1’000.- ,was für die Familien hier eine grosse Investition ist. Mit lauter Musik und jubelnden Zuschauern werden die Puppen am Abend durch die Strassen geführt und schliesslich unter grossem Lärm verbrannt. Eigentlich ja etwas Schade für die Mühe, die sie in die Herstellung der Ogoh-Ogohs gesteckte haben, aber was sein muss, muss sein. Es symbolisiert die Verbannung aller bösen Geister aus den Dörfern und dem Leben der gläubigen Balinesen. Dadurch wird das Gleichgewicht zwischen den Göttern, den Menschen und der Natur wiederhergestellt.

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Nyepi

Wie bereits erwähnt, verbringt der gläubige Balinese den Tag zu Hause in Meditation. Nun sind wir, wie viele andere hier, keine gläubigen Balinesen und trotzdem gelten für uns die gleichen Regeln, wenn auch etwas abgeschwächt. Absolut niemand darf sich auf die Strassen begeben. Dies wird von der Religionspolizei kontrolliert und auch geahndet. In der Hotelanlage darf man sich als Tourist frei bewegen. Licht dürfen auch wir nur benutzen, wenn es nicht von draussen gesehen werden kann. Das heisst, wir mussten alle Fenster mit Zeitungen abkleben. Diejenigen, welche in Sichtweite eines Nachbarn sind, mussten sogar doppelt abgeklebt werden. Ja, die lieben Nachbarn, gewisse Dinge sind halt hier nicht anders als zu Hause.

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Papa Bin (where have you been?)

Papa Bin (where have you been?)

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Lichter oder Feuer unter freiem Himmel sind absolut untersagt. Gekocht wird bei uns aber trotzdem, allerdings nur solange die Sonne noch nicht untergegangen ist, sonst bräuchten wir ja wieder Licht. Auf der Insel der Götter und Dämonen glaubt man, dass an Nyepi die Dämonen und bösen Geister über die Insel fliegen. Durch die Stille und die Dunkelheit soll vorgegaukelt werden, dass die Insel komplett verlassen sei. So ziehen sie weiter und bewahren die Bewohner vor ihrem schlechten Einfluss. Abgesehen davon, dass wir diese Vorstellung interessant finden, sind wir fasziniert von der Tatsache, dass auf einer Insel mit über 4 Millionen Einwohnern und nochmal so vielen Besuchern jährlich, einen ganzen Tag die Welt still steht.

Nyepi hat einen guten Nebeneffekt für die Umwelt. 24 Stunden lang darf kein Flugzeug von oder nach Bali fliegen, was in Zahlen ganze 422 Flüge sind. Die CO² Emission verringert sich durch den Verzicht aller Fahrzeuge und dem daraus resultierenden geringeren Benzinverbrauch auf geschätzte 30’000 Tonnen.

So haben wir also das balinesische Neujahr in Stille gefeiert. Das einzig komische daran war, dass an diesem Tag gleichzeitig das Persische Neujahr gefeiert wird. Wer die Iraner kennt, weiss, dass dieser Tag alles andere als still und leise über die Bühne geht.

Dank der geübten Selbstkontrolle an Nyepi steht dem gereinigten Start ins balinesische neue Jahr 1937 und dem persischem Nouruz ins Jahr 1394 nichts mehr im Wege. In diesem Sinne “Happy New Year to all of you”!

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