Heading North

Posted by in Vietnam

Lange ist es her seit unserem letzten Blogbeitrag, aber um es vorne weg zu nehmen: Wir haben die letzten 2 Wochen in Vietnam wirklich sehr genossen und wir haben soviel unternommen, dass wir gar nicht wirklich Zeit hatten uns unserem Blog zu widmen. Ja, wir haben ein klein wenig ein schlechtes Gewissen. Deshalb gibt es an dieser Stelle einen umso längeren Blogpost, mit umso mehr Informationen und Fotos, damit ihr die eingesparte Lesezeit der letzten zwei Wochen doch braucht ;)

Mui Ne

Von HCMC sind wir früh morgens um 06:00 mit dem Zug nach Phan Thiet gereist. Vietnam hat ein gut ausgebautes System an Zuglinien. Die zwei Hauptverbindungen sind die Züge welche von Nord nach Süd fahren oder umgekehrt. Die Fahrt gestaltete sich als aehr angenehm. Wir haben uns aber auch für die Luxus-Variante mit Soft-Seats und Air-Condition entschieden für 12$ inkl. Gebühren für den Hotel-Angestellten, der uns die Tickets organisiert hat. Nachdem wir aus HCMC rausfuhren, fühlten wir uns auch direkt befreiter und startklar Vietnam zu erkunden. Nach 5 Stunden vorbei an beeindruckenden Reisfeldern und kleinen Dörfern erreichten wir Phan Thiet. Von dort nahmen ein Taxi nach Mui Ne. Die Betreiber des Nam Chau Resort hatten uns und unseren Freunden zwei Bungalows nebeneinander und 20 Meter vom Meer entfernt organisiert. Ja, hier liess es sich leben. Tolles Wetter, eine grosse Terrasse und Wellenrauschen 24 Stunden am Tag. Mui Ne bietet, neben dem tollen Strand, welcher bei den Kite-Surfern sehr beliebt ist, noch viel mehr. Wir hatten von den wunderschönen Sanddünen gehört und konnten es nicht erwarten diese zu besuchen. So gingen wir in eine der unzähligen Travel Agency und organisierten uns einen Jeep und Fahrer. Dieser holte uns am nächsten Tag in unserem Hotel ab und fuhr uns zu den schönen und eindrucksvolle Orte Mui Ne’s.

Erste Station waren die weissen Sanddünen von Mui Ne.

Weisse Sanddünen

Weisse Sanddünen

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Absolut eindrücklich, in Vietnam eine kleine Wüste zu finden. Viele Fotos und ein paar Sprüngen von den Dünen später, fuhren wir weiter zu den roten Sanddünen. Etwas kleiner, aber nicht weniger beeindruckend genossen wir die Zeit in den Dünen.

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Dritter Stopp war Fairy Spring. Der Eingang ist ein kleiner Rinnsal am Strassenrand mit nicht so schönen Abfallhaufen links und rechts. Nach ca. 100 Meter öffnet sich der Rinnsal und offenbart wunderschöne Felsformationen in verschiedenen Farben. Wir waren wirklich beeindruckt.

Pünktlich zum Sonnenuntergang hielten wir an einer Strasse mit Sicht auf das Fischerdorf Mui Ne mit hunderten von Fischerbooten. Hier genossen wir eines der vielen Biere, die wir bereits hatten ;) und vor allem den spektakulären Sonnenuntergang. (siehe Titelbild)

Die Tage in Mui Ne haben wir nach der hektischen Woche in Saigon gebraucht. Mit unserem Scotter waren wir allzeit mobil und fuhren durch die Gegend, genossen gutes Essen und Sonnenuntergänge. Nur mit der Tatsache, dass wirklich alles in dieser kleinen Fischerstadt auf russische Touristen ausgerichtet ist, konnten wir uns nicht ganz anfreunden.

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sunset

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Nha Trang

Nächster Stopp auf unserer Route in Richtung Norden war Nha Trang. Leider wäre die Weiterfahrt mit dem Zug etwas umständlich gewesen, da Mui Ne selber nicht über einen Bahnhof verfügt, also entschieden wir uns für einen Open-Busse. Nach ca. 5 Stunden (ca. 200km) “Rüttel-und-Schüttel-Fahrt” kamen wir in Nha Trang an. Nha Trang ist ein riesiger Touristenort mit Wolkenkratzern, einer sehr schönen Promenade und einem langen Sandstrand. Jedoch reichte es uns hier, eine Nacht zu verbringen, da es uns zu touristisch und erneut zu russisch war. In Mui Ne und in Nha Trang sind alle Speisekarten in Russisch und erst dann in Englisch angeschrieben. Nicht jedermanns Sache. Wir wollten weiter in den Norden, doch mit unserem bisherigen Tempo, würden wir 3 Wochen benötigen um in die Hauptstadt Hanoi zu gelangen. Also entschlossen wir uns ein grosses Stück mit dem Zug hinter uns zu bringen. Wir wollten eine 9-Stunden-Fahrt in einem Schlafabteil verbringen. Dafür mussten wir jedoch noch die Zugtickets organisieren. Eigentlich eine ganz einfache Aufgabe. Eigentlich… Wir fuhren also mit dem Taxi zur Zugstation, wo wir versuchten zu verstehen was wir, wo und wann buchen mussten. Wir waren völlig überfordert, da alles nur in Vietnamesisch angeschrieben war. Das muss mal uns wohl angesehen haben. Glücklicherweise sprach uns ein Engländer und dessen vietnamesische Freundin an, welche zu unserem Glück auch noch Englisch-Lehrerin war und fragten uns, ob wir Hilfe bräuchten. Und wie wir Hilfe brauchten. Dank ihr wussten wir nun endlich wie wir, wo, wann abfahren wollten, jedoch wussten wir nicht, dass die Zuggesellschaft seit Anfang Jahr von jedem Passagier den Pass für die Buchung verlangt. Wie in Vietnam jedoch üblich, mussten wir aber unsere Pässe an der Rezeption im Hotel zurücklassen. Ein auf und ab der Gefühle. Zuerst waren wir motiviert unsere Tickets zu kaufen, dann waren wir planlos und überfordert mit dem vietnamesischen Zugplan, anschliessend erleichtert über die Hilfe und nun, kurz vor dem Ziel, kam die Frustration. Doch dank free Wifi in der Bahnhofshalle, hatten wir Zugriff auf unsere Dropbox, wo wir Kopien unserer Pässe abgelegt hatten. Da war sie, die Erleichterung. Wir wussten nun was wir wollten und hatten auch alles zusammen, was es dafür brauchte. Mit Hilfe der vietnamesischen Englisch-Lehrerin wusste auch die Ticketverkäuferin schnell was wir wollten und nach einer Stunde am Bahnhof Nha Trang hatten wir unsere Zugtickets in der Hand.

Der Zug brauchte für die Strecke 9 Stunden. Da wir aber Liege-Betten reservierten, war das einfach gesagt ein super Trip. Wir waren in einem Vierer-Abteil zusammen mit einem älteren Vietnamesen, welcher sehr gut Englisch sprach und wenn er nicht gerade schlief, immer für ein paar Fragen gut war.

zug

Hoi An

Hoi An war die erste und wichtigste Handelsplattform von Vietnam und einfach ein Traum. Die Altstadt ist ein malerisches, kleines Städtchen mit starkem chinesischen Einfluss. Wir erkundeten die Stadt mit dem Velo, fuhren vorbei an malerischen Boutiquen, unendlichen Reisfeldern und dem wunderschönen, aber windigen Strand von Hoi An. Das Essen war einfach unglaublich. Die Spezialitäten wie Wontons, White Rose (Gehakte Crevetten in Teigtaschen) oder Nuddle-Soup: Einfach göttlich! Aber nicht nur das Essen hat uns begeistert, auch unsere Unterkunft war schlichtweg nicht zu topen. Wir wohnten in der Earth Villa, ein Boutique Hotel, welches von einer 10-köpfigen vietnamesischen Familie geführt wird. Das Hotel liegt zwischen der Altstadt und dem Strand und verfügt über grosszügige neue Zimmer. Besonders zu erwähnen ist jedoch der Service. Sie haben uns bereits am ersten Abend die weiteren Zug-Tickets organisiert. Sie gaben uns hervorragende Restaurant Empfehlungen und als wir eines abends Lust auf Reisschnaps hatten, mussten sie uns leider an diesem Abend enttäuschen, empfingen uns aber am nächsten Abend mit einer 1.5 Liter Pet-Flasche mit Reisschnaps. Kurz zusammen gefasst, wir haben die halbe Flasche mit ihnen zusammen an diesem Abend getrunken und obwohl der Reisschnaps einfach zu trinken war, hatte er doch seine Spuren bei uns hinterlassen :)

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Hoi An Reisfelder

Hoi An Reisfelder

Hué

Nächster Zwischenstopp war die letzte kaiserliche Hauptstadt Vietnams Hué. Viel berichten können wir hier leider nicht, da wir nur einen Tag in der Stadt verbracht haben. Der Tempelpalast ist wirklich beeindruckend. Aber seht selbst:

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Phong Na – Nationalpark

Dieser Zwischenstopp haben wir einer Gruppe Holländer zu verdanken, die unseren Freunden von den beeindruckenden Höhlen erzählt haben. Kurz einige Bilder auf Google angeschaut und wir wussten, wir mussten dort hin. Leider hatte das beliebte Farmstay Hostel nur noch zwei Nächte frei und so buchten wir gleich das letzte Zimmer und eine Tour durch den Nationalpark. Diese begann mit einer Fahrt durch die beeindruckenden Reisfeldern, in denen man immer noch grosse Bomben-Kratern sieht, welche noch aus dem Vietnamkrieg stammen. Diese Gegend ist noch nicht wirklich touristisch und die Wälder sind grössten Teils noch unberührt.

Blue River im Phong Na - Ke Bang Nationalpark

Blue River im Phong Na – Ke Bang Nationalpark

Aus diesem Grund gibt es noch tausende von Blindgängern welche immer wieder zu Unfällen führen. Entschärfte Bomben werden entweder verkauft oder beispielsweise als Schulglocke wiederverwendet. Nach der Besichtigung von Feldern und Flüssen, sowie den spannenden Geschichtslektionen unseres Tour-Guides ging es zu der wohl schönsten und weltweit grössten Höhle der Welt, der Paradise Höhle. Sie wurde erst vor 10 Jahren entdeckt und ist erst seit fünf Jahren für Besucher teilweise begehbar. Von aussen nicht besonders spektakulär, erwartete uns im Innern der Höhle eine atemberaubende Anblick. Nie zuvor hatten wir eine Höhle gesehen, welche auch nur annähern solch beeindruckenden Stalagmiten und Stalaktiten hatte.

Paradise Cave

Paradise Cave

Paradise Cave

Paradise Cave

Wir wollten die Höhle nicht mehr verlassen und das lag nicht nur daran, dass das Wetter draussen kühler und vor allem nass war. Doch wir hatten noch eine weitere Höhle auf dem Plan, the Dark Cave. Davor hatte sich Jasmine schon den ganzen Tag gefürchtet. Nicht weil sie dunkel ist, weil uns gesagt wurde, wir müssen zum Eingang der Höhle schwimmen. Wer Jasmine kennt, weiss, dass sie nicht mal den kleinen Zeh ins Wasser taucht, wenn es nicht mindestens 24 Grad warm ist. Nun ja, es war nicht mal an der Luft 24 Grad und wir mussten all unsere Kleider und Schuhe zurücklassen. Dafür bekamen wir einen Helm, eine Schwimmveste und einen Klettergurt. Die Neugier war glücklicherweise grösser als die Angst vor der Kälte und so stand sie schlotternd vor mir an der Seilrutsche und fuhr über den Fluss in Richtung Höhle. Auf der anderen Seite angekommen wurde es ernst, wir mussten ins kühle Wasser und schwammen zum Höhleneingang. Während der Regenzeit wird diese Höhle überschwemmt, deshalb ist es im innern auch feucht und man muss immer wieder einige Passagen schwimmen. Wir drangen immer tiefer in die Höhle ein, bis wir in einem grossen Schlammbad landeten :-)

Walking in the dark

Walking in the dark

Schlammbad tief unter der Erde

Schlammbad tief unter der Erde

Zurück ins Licht

Zurück ins Licht

Es war eine toll und beeindruckende Tour. Wir haben tolle Leute von Amerika über Deutschland bis Australien kennengelernt und die Landschaft Vietnams von einer neuen Seite kennengelernt. Gerne wären wir noch länger in Phong Nha geblieben, doch unser Weg hat uns nun nach Hanoi, der Hauptstadt Vietnams gebracht. Wir haben ca. 1700km in den letzten zwei Wochen hinter uns gebracht und sind nun an unserem, wahrscheinlich letzten Stopp in Vietnam angekommen. Nächster Halt – Luang Prabang, Laos.

Stay tuned!