Ein (un)schöner Start ins neue Jahr

Posted by in Vietnam

Wir hatten Phnom Penh früh morgens mit dem Bus verlassen und freuten uns auf den nächsten Abschnitt auf unserer Reise: Vietnam. Wir hatten uns entschieden, eine andere Busgesellschaft auszuprobieren, da wir gelesen hatten, dass Mekong Express die Erfahrensten auf dieser Route seien. Die Fahrt verlief ohne Probleme, nur der Grenzübergang war etwas mühsam. All unsere Pässe wurden zu Beginn der Fahrt eingesammelt und uns an der kambodschanischen Grenze wieder ausgehändigt. Kurz den Stempel zur Bestätigung der Ausreise geholt, wurde der Pass auch schon wieder vom Personal der Busgesellschaft eingesammelt. 10 Meter weiter an der vietnamesischen Grenze mussten wir unser Gepäck aus dem Bus holen und uns mit unzähligen anderen Reisenden in ein Gebäude quetschen. Dort warteten wir ca. 1,5 Stunden, bis einer nach dem anderen namentlich aufgerufen wurde und sich sein Pass mit dem Einreisestempel abholen konnten. Einerseits dauerte es sicherlich so lange, weil nur zwei Schalter offen waren, x-andere Busse mit x-anderen Touristen zur selben Zeit an der Grenze waren, aber auch weil immer mal wieder Einheimische vordrängelten und ihre Pässe mit etwas Geld darin vorschoben. Aber so läuft das hier eben.

In Ho Chi Minh City / Saigon angekommen wurden wir überrannt von Taxifahrern. Ein netter Taxifahrer half uns unser Gepäck in sein Auto zu laden und fuhr uns auf direktem Weg zu unserem Hotel. Hier muss ich kurz erwähnen, dass wir schon im Bus bemerkten, dass Rush-Hour in HCMC eine völlig neue Definition von Verkehr war. So viele, ständig hupende, Mopeds und Autos hatten wir bisher noch nie gesehen. Die Fahrt ging knapp 10 Minuten und ich schaute die ganze Zeit ungläubig auf den Taxameter. Der Betrag erschien mir rasant zu steigen. Dies bestätigte der zuvor nette Taxifahrer dann auch. Er wollte 8 Franken von uns. Wir wussten, dass konnte nicht stimmen und dies haben wir ihm auch mitgeteilt. Er meinte dann nur, dass der Verkehr momentan aber so schlimm sei. Nach 8 Stunden Busfahrt war es uns aber zu blöde noch weiter mit ihm zu diskutieren und so bezahlten wir ihm den viel zu hohen Preis.

Am nächsten Tag wollten wir uns HCMC zu Fuss anschauen, die Lust aufs Taxifahren war uns vergangen und so liefen wir los. Nach knapp 2 Minuten begegnete uns ein netter Kokosnuss-Verkäufer.  Er lief in die selbe Richtung wie wir und begann uns zu fragen woher wir kämen und wie es uns gefalle. Ein kurzer, netter Smalltalk dachten wir. Er gab René seine Körbe mit den Kokosnüssen und scherzte, dass er für ihn heute Arbeiten könne. Nach einigen Meter reichte René ihm die Körbe zurück und bevor er sich versah, hielt er eine Kokosnuss in der Hand. Der Verkäufer war nun nicht mehr so nett wie zu Beginn, denn er wollte nun Geld und wir wollten weder die Kokosnuss, noch wollten wir ihn dafür bezahlen. Nach einer weiteren kurzen Diskussion gab ich ihm knapp 50 Rappen uns sagte ihm, dass er entweder das nehmen soll oder gar nichts bekäme und so waren wir ihn los.

Irgendwie konnten wir uns nicht wirklich mit dieser Stadt anfreunden. Wir hatten so viel Herzlichkeit in Kambodscha erlebt und hier wollten sie uns überall nur verarschen. Nach einem kurzen Down wollten wir der Metropole eine zweite Chance geben. HCMC hatte noch ein Ass im Ärmel – Die Stadt ist bekannt für ihr gutes Essen. Da man uns beide mit kulinarischen Highlights glücklich macht, waren wir schnell wieder guten Mutes, dass es uns hier doch noch gefallen würde.

Leckeres Essen am Nachtmarkt

Leckeres Essen am Nachtmarkt

Ein Besuch im Kriegsmuseum, tolles Essen ob am Strassenrand oder in einem der unzähligen Restaurants, Drinks in den tollen Bars mit jedem Tag fühlten wir uns besser. Nun stand Silvester vor der Tür. Wir kauften uns Tickets für eine Akrobatik Show im Opernhaus, suchten uns ein feines vietnamesisches Restaurant und gingen danach in einen Park, wo sich tausende von Einheimischen und Touristen versammelten. Jeder noch so kleine Fleck rund um den Park war besetzt. Die Strassen waren so verstopft, dass sie zu einem grossen Parkplatz umfunktioniert wurden. Wer sich aber trotzdem mit dem Moped einen Weg durch die Massen suchte, fuhr kurzerhand über die Parkböschung und benutzte die Gehwege im Park um etwas näher an den Platz mit der Bühne und dem Countdown zu kommen. Auf der Bühne wurden zuerst traditionelle Tanzaufführungen gezeigt, vietnamesische Boybands versuchten die Massen anzuheizen und schliesslich lief kurz vor Mitternacht Techno, wie ich ihn nur an der Street Parade zuvor gehört habe. Aber die Stimmung war super und so zählten wir alle zusammen die Sekunden, bis das Feuerwerk auf dem höchsten Gebäude HCMC’s los ging.

Silvester in der Oper

Silvester in der Oper

Feuerwerk

Feuerwerk

Verkehr an Silvester

Verkehr an Silvester

Das alte Jahr nahm ein schönes Ende, so konnte es weitergehen. Nun ja, wie das so ist, kommt es meist anders als erwartet. Nach einem leckeren Essen in Distric 1, dem Backpacker-Viertel liefen wir zurück zum Hotel, es war kurz nach 20:00 Uhr und die Strassen waren wahrscheinlich aufgrund des Jahreswechsels etwas ruhiger geworden. Plötzlich riss jemand an meiner Umhängetasche und ich wusste in einem Bruchteil einer Sekunde, was gerade passierte. Es nennt sich “Bag Snatching* und ist die bekannteste und häufigste Art in HCMC Leute zu bestehlen. Dabei fährt jemand, oder in meinem Fall zwei Leute auf einem Moped an Passanten vorbei und entreisst ihnen Taschen, Hals- oder Armketten. Wer Glück hat, hat eine Tasche, bei der sich der Bändel durch die Wucht reisst, ansonsten wird man auf die Strasse gerissen. Ich hatte Glück, meine Tasche hatte zwar einen emotionalen Wert (Behruz, dein Reisegeschenk ist weg) aber sie gab nach und so hatte ich ausser einem gestohlenem iPhone, einem kaputten Shirt und einem abgerissenem Ohrring, keine Verluste zu verzeichnen. Doch der Schock lag mir in den Knochen. Wütend und etwas planlos liefen wir zum Hotel zurück, wo sie mich beruhigten und mir anboten, mich zur nächsten Polizei zu bringen. Ein Hotelangestellter fuhr mich mit seinem Moped zum Polizeiposten. Nach kurzen Diskussionen fuhren zwei Beamte mit uns zum Tatort und sprachen mit Zeugen, welche meine Aussage bestätigten. Die Polizisten sagten uns, dass dieser Abschnitt der Strasse mit Kameras überwacht werde und dass wir nun wieder zurückfahren können. Auf dem Polizeiposten, wenn man das so nennen kann, wurden wir am Rauchqualm sowie am TV und Sofa vorbei in ein Büro geführt. Dort sass der unsympathischste und unfreundlichste Polizist, den ich je gesehen hatte. Er sah mich dich ganze Zeit mit einem abschätzenden Blick an und sprach ausschliesslich mit dem Hotelangestellten auf vietnamesisch. Ich wusste aber dass irgendwas nicht gut lief. Nach einigen Minuten schaute mich der Angestellte an und erklärte mir, etwas beschämt, dass die Polizei abstreite, dass der Überfall stattfand und die Kamera kaputt sei. Sie würden daher keinen Rapport aufgrund eines Diebstahls schreiben. Sie können mir aber bestätigen, dass ich die Tasche verloren habe, was ich mich aber weigerte zu unterschreiben und so verliessen wir beide verärgert den Polizeiposten und fuhren zurück zum Hotel. Ich hörte später, dass die Polizei aufgrund ihrer Statistik nur bei Verletzungen oder gestohlenen Pässen einen Rapport schreiben, alles andere schadet ihrem Ruf. Andere Länder, andere Sitten, andere Überfallmethoden und andere korrupte Polizisten.

Der 1.1.2015 war ein Tag zum Streichen und ehrlich gesagt ist uns die Lust auf Vietnam etwas vergangen. HCMC und wir werden wohl keine Freunde mehr. Am 5.1. gehts zusammen mit Freunden weiter. Next Stop: Mui Ne, denn wir haben Vietnam noch nicht aufgegeben.

Nachträglich Happy New Year an euch alle.

Backpacker Viertel

Backpacker Viertel

Die kleine Notre Dame

Die kleine Notre Dame

Saigon Oper

Saigon Oper