Kambodscha – Liebe auf den zweiten Blick

Posted by in Kambodscha

Knapp drei Wochen waren wir nun in Kambodscha und der Abschied fällt schwerer als gedacht… Es war Liebe auf den zweiten Blick. Vor unserer Ankunft hier, haben wir uns natürlich etwas über das Land und die Khmer informiert. Man liest von den schlechten Strassen, den mühsamen und zeitaufwändigen Grenzübergängen, den unzähligen Landmienen, welche immer noch darauf warten gefunden zu werden und der Korruption in diesem Land. Dementsprechend gespannt waren wir auf unsere eigenen Erfahrungen. Natürlich ist man etwas voreingenommen, nachdem man das alles gelesen hatte, doch wir wurden eines besseren belehrt.

In Kambodscha gab es zu Zeiten der Roten Khmer ca. 200 Killing Fields in denen von 1975 bis 1979 Massentötungen am eigenen Volk begannen wurden. Mindestens 1,7 Millionen Menschen kamen um, was knapp ein viertel der gesamten Bevölkerung ausmachte. In den ersten Tagen in der Hauptstadt Kambodschas besuchten wir die bekannteste Stätte der Killing Fields in Choeung Ek. Ich kann nicht beschreiben wie sehr uns dieser Besuch berührt hat. Wir standen an einem Ort an dem ca. 17’000 Männer, Frauen und Kinder auf grausame Art und Weise exekutiert wurden. Wir sahen unzählige Knochenfragmente und Kleiderfetzen, welche immer noch in den Gräbern lagen und erst durch den Regen langsam zum Vorschein kommen. Wir sahen mehr als 5’000 Totenschädel in der Gedenkstätte. Jede mit einem Verweis auf die Todesursache. Wir konnten es kaum fassen. Das alles war erst vor 40 Jahren geschehen. Somit hatten viele der Menschen, welche uns auf unserer Reise durch Kambodscha begegnen würden, diese tragische Zeit miterlebt. Wir verliessen diesen Ort mit eindrücklichen Bildern, einer gedämpften Stimmung und grossem Mitgefühl mit dem Volk.

Nun wollten wir mehr über die Geschichte Kambodschas erfahren. Ein Königreich, welches von allen Seiten, eingenommen wurde. Mal war es Thailand, mal Vietnam, Japan, Frankreich… alle wollten sie die Bodenschätze und Wälder dieses wunderschönen Landes. Das einst so wohlhabende Königreich hat gelitten unter den Kriegen. Um so mehr hat uns beeindruckt, dass wir überall und ausschliesslich Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft begegneten. Alle schenkten uns stets ein Lächeln und haben geholfen wo’s nur ging.

Kambodscha macht viel für die Einnahmequelle Tourismus, trotzdem wird immer noch ein grosser Teil von Entwicklungshilfe getragen. Die Hilfe wird geschätzt. Wem wir auch sagten, dass wir aus der Schweiz seien, erzählten sie uns von Beat Richners Spitälern und Konzerten und bedankte sich bei uns für die Unterstützung. Für alle die nicht wissen, wer Beat Richner ist: Ein Schweizer Kinderarzt und Musiker der mit Hilfe von Spenden in Kambodscha zwei Kinderspitäler aufbaute. Wir wurden aus Geschäften und Restaurants verabschiedet mit den Worten: “Danke dass sie hier sind und Kambodscha helfen”.

Nur eine Sache war mir etwas Fremd. Ich musste mich daran gewöhnen, dass alle nur René ansprachen. Es hiess nur immer “Sir, do you need a Tuk Tuk”, “Sir, can I help you”… Selbst wenn ich etwas Fragte, ging die Antwort und der Blick nicht in meine Richtung. Alle die mich kennen, können sich vorstellen, dass das nicht meine Lieblingssituation ist. Ich könnte jetzt sagen, ich hätte mich damit abgefunden, aber das würde ja doch niemand glauben. Wir arbeiten noch daran ;-)

Wir haben unsere Zeit hier genossen und da Liebe auf den zweiten Blick ja bekanntlich länger hält, sind wir sicher, dass wir irgendwann zurückkommen. <3

Killing fields

Killing fields

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Return of nature

Return of nature

Aspara

Aspara

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Phnom Penh Sunset

Phnom Penh Sunset

Happy Christmas

Happy Christmas